Geheimnisse einer 300 Jahre alten Apotheke –

Hinweis: Dieser Beitrag versucht, die bewegte Geschichte der Hirsch-Apotheke so vollständig und gewissenhaft wie möglich darzustellen. Bei einer über 300-jährigen Historie kann er jedoch keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit erheben. Manche Details liegen in Archiven verborgen, andere sind nur mündlich überliefert oder werden erst mit zukünftigen Recherchen wiederentdeckt. Wer weiter in dieses Thema eintauchen möchte, findet in den genannten Quellen und in der regionalen Geschichtsforschung zahlreiche zusätzliche Informationen. Die Seite wird fortlaufend aktualisiert, sobald neue Erkenntnisse oder Materialien hinzukommen.

Haus Loeblein restauriert
Haus Löblein, der erste Standort der Birkenfelder Apotheke 1725.
Nach dem Privileg vom 27. November 1725 richtete Johann Ludwig Euler I. hier die erste Apotheke für Stadt und Umland ein. Von 1725 bis zum 1. September 1831 befanden sich die Apothekenräume in diesem Gebäude, bevor sie in das Nachbarhaus umzogen, in dem sich die heutige Hirsch-Apotheke noch immer befindet. Das Haus Löblein selbst wurde 1959 abgerissen.
Birkenfeld – Hirsch-Apotheke – heutiger Eingang im Erdgeschoss (ab 1956)
Birkenfeld – Hirsch-Apotheke – heutiger Eingang im Erdgeschoss (ab 1956)
Bis 1956 befand sich der Eingang im 1. GeschoĂź.
Bis 1956 befand sich der Eingang im 1. GeschoĂź.

Die Hirsch-Apotheke in Birkenfeld an der Nahe zählt zu den ältesten Apotheken Deutschlands. Seit ihrer Gründung im Jahr 1725 hat sie Kriege, gesellschaftliche Umbrüche und unzählige Generationen von Apothekern überdauert. Doch was steckt hinter den dicken Mauern dieser traditionsreichen Institution? Welche historischen Ereignisse haben ihre Entwicklung geprägt? Und welche besonderen Anekdoten erzählen von der bewegten Geschichte dieser Apotheke?


Alles begann am 27. November 1725: Der Apotheker Johann Ludwig Euler, geboren am 28. Februar 1698 in Pfeffelbach, erhielt von der sponheimischen Regierung das offizielle Privileg, in Birkenfeld eine Apotheke zu eröffnen. Zu dieser Zeit gab es im gesamten Umland keine vergleichbare Einrichtung – Euler hatte also das exklusive Recht, Arzneimittel herzustellen und zu verkaufen.

Die erste Apotheke Birkenfelds befand sich im „Haus Loeblein“, einem historischen Gebäude direkt neben dem heutigen Standort. Von hier aus versorgte Euler die Stadt und die Umgebung mit Medikamenten, oft nach eigener Rezeptur. Jahrzehntelang blieb die Apotheke in Familienbesitz, bis sie nach dem Tod von Johann Ludwig Euler I. im Jahr 1766 an seinen Sohn überging:

Johann Ludwig Euler II., geboren 1733, führte die Apotheke bis zu seinem Tod am 23. Mai 1790 weiter. Da es keinen volljährigen männlichen Nachfolger gab, übernahm sein Schwiegersohn Johann Heinrich Noell das Geschäft.

Fast 100 Jahre lang blieb die Apotheke eine zentrale Anlaufstelle für die medizinische Versorgung der Region. Doch das 19. Jahrhundert brachte große Veränderungen mit sich.


Vom Haus Loeblein zur heutigen Hirsch-Apotheke – Ein Standort mit Geschichte

Im Jahr 1831 verlegte man die Apotheke an ihren heutigen Standort in der Unteren HauptstraĂźe. Das neue Apothekenhaus, ein Quereinhaus mit Fachwerk-Elementen aus dem frĂĽhen 19. Jahrhundert, wurde schnell zu einer Institution in Birkenfeld.

Die folgenden Jahrzehnte waren von mehreren Besitzerwechseln geprägt. Zu den nachweislichen Inhabern in dieser turbulenten Zeit zählten:

Johann Heinrich Noell

Noell übernahm die Apotheke als Schwiegersohn der Familie Euler und führte sie in einer Phase, in der sich Birkenfeld politisch und wirtschaftlich wandelte. Unter seiner Leitung blieb der Standort stabil und entwickelte sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil des städtischen Lebens.

Johann Adam Becker

Becker leitete die Apotheke nur für eine kurze Zeit, doch er bildete die Brücke in eine Epoche, die für Birkenfeld politisch unruhig wurde. Sein Wirken fällt in die Phase des politischen Vormärz – eine Zeit, die auch die kommenden Inhaber beschäftigte.


Carl Heinrich Hohle (1838–1849) – Demokrat, Reformer und später Bürgermeister von Kaiserslautern

Carl Heinrich Hohle war weit mehr als nur Apotheker.
Er trat als überzeugter Demokrat auf, saß ab 1840 als Abgeordneter im Oldenburgischen Landtag und setzte sich während der Revolution von 1848 aktiv für politische Veränderungen ein. Dieses Engagement brachte ihn mehrfach in Konflikt mit den Behörden – und zeigt, wie eng die Geschichte der Apotheke mit der politischen Entwicklung der Region verbunden ist.

Nach seiner Zeit in Birkenfeld verließ Hohle die Stadt, gründete in Kaiserslautern ein Handelsgeschäft und wurde später Bürgermeister. Zu seinen Ehren trägt dort bis heute eine Straße seinen Namen: die Hohlstraße.

Damit ist Hohle einer der politisch bedeutendsten Inhaber der frĂĽhen Apothekengeschichte.


Eduard August Gleimann (1850–1886) – Neuer Geist und sichtbare Spuren im Stadtbild

Mit Eduard Gleimann begann eine Phase der Modernisierung.
Gleimann, 1820 in Goslar geboren, brachte neue Ideen nach Birkenfeld und veränderte nicht nur den Apothekenbetrieb, sondern auch das äußere Erscheinungsbild der Umgebung:

Er ließ den alten Holz-Lindenbrunnen vor der Apotheke durch einen gusseisernen Brunnen aus der Abentheuer Hütte ersetzen – ein Stück Industriekultur, das auf vielen alten Fotografien zu sehen ist und für Jahrzehnte das Bild der Unteren Hauptstraße prägte.

Gleimann führte die Apotheke bis zu seinem Tod im Jahr 1883. Kurzzeitig übernahm sein Sohn Wilhelm Gleimann den Betrieb, bevor die Familie das Geschäft veräußerte.

Eine besondere Verbindung zur Familie Herfurth

Eduard August Gleimann, einer der späteren Inhaber der Hirsch-Apotheke, spielte nicht nur in der Apothekengeschichte eine Rolle, sondern hat auch eine direkte Verbindung zu meiner eigenen Familiengeschichte: Seine Tochter Mathilde Gleimann heiratete den Gymnasiallehrer Adolf Herfurth, der von 1873 bis 1912 Lehrer am Gymnasium in Birkenfeld war. Damit ist meine Urgroßmutter eng mit der Geschichte dieser Apotheke verbunden – und nun darf ich, Wolfgang Herfurth, diesen Blogbeitrag über eine der traditionsreichsten Apotheken Deutschlands veröffentlichen.

Trotz der wechselnden Eigentümer blieb die Apotheke durchgehend in Betrieb – ein Beweis für ihre Bedeutung in der Region.

Ein Meilenstein der Apothekengeschichte war das Jahr 1887, als der Apotheker Rudolf Haag das Geschäft übernahm. Und mit ihm kam eine entscheidende Veränderung:


Warum heißt sie „Hirsch-Apotheke“? Die Jagdleidenschaft eines Apothekers

Am 12. April 1887 kaufte der aus Wonsheim stammende Apotheker Rudolf Haag die Birkenfelder Apotheke. Haag war nicht nur Apotheker, sondern auch leidenschaftlicher Jäger – und aus dieser persönlichen Verbindung entstand eines der bekanntesten Markenzeichen Birkenfelds:
Er benannte das Geschäft in „Hirsch-Apotheke“ um.

Der neue Name setzte sich schnell durch und prägt das Haus bis heute.

Doch Haag war weit mehr als ein Namensgeber. Er modernisierte den Betrieb umfassend und entwickelte die Hirsch-Apotheke zu einer regionalen Institution. Bis 1895 mussten die Apotheken im Fürstentum Birkenfeld ihre Diphtherie-Seren noch aus Oldenburg beziehen. Erst danach erhielt Haag die Erlaubnis, selbst einzukaufen und Apotheken im gesamten Birkenfelder Raum zu beliefern – ein großer Schritt zu mehr Selbstständigkeit und medizinischer Versorgung vor Ort.

Eine besondere Rolle spielte seine Tochter Emmy Haag, die 1907 als Lehrling in den Betrieb eintrat. In einer Zeit, in der der Apothekenberuf fast ausschließlich Männern vorbehalten war, gehörte Emmy zu den frühen Frauen, die diesen Weg einschlugen. Ihre Ausbildung markiert einen bemerkenswerten Schritt in Richtung weiblicher Emanzipation im pharmazeutischen Bereich und prägte später die Zukunft des Hauses entscheidend mit.

Nach Haags Tod im Jahr 1911 führte seine Witwe Henriette den Betrieb zunächst weiter, bis die Apotheke 1913 an Christian Oskar Fetz überging – den Ehemann von Emmy Haag.


Die Hirsch-Apotheke im 20. Jahrhundert – Weltkriege und Wandel

Nach dem Tod von Rudolf Haag im Jahr 1911 stand die Hirsch-Apotheke vor einem Einschnitt: Zunächst führte seine Tochter Emmy Haag den Betrieb weiter. 1913 heiratete sie den Apotheker Christian Oskar Fetz, mit dem sie die Apotheke in eine neue Zeit hineinführte.

Die ersten Jahre unter ihrer gemeinsamen Leitung fielen in eine unruhige Epoche. Während des Ersten Weltkriegs wurden zeitweise Soldaten in der Apotheke einquartiert. Platz war knapp, vieles musste improvisiert werden, und doch blieb die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln gewährleistet – ein wichtiger Anker in einer unsicheren Zeit.

Der frühe Tod von Christian Oskar Fetz im Jahr 1923 war ein schwerer Schlag. Trotz dieser persönlichen und wirtschaftlichen Belastung gab Emmy Fetz-Haag die Verantwortung nicht ab. Sie führte die Hirsch-Apotheke weiter und hielt sie durch die Jahre der Inflation und der politischen Spannungen der Zwischenkriegszeit hindurch auf Kurs.

In den 1920er Jahren wurde die Apotheke an Heinrich Stoltz verpachtet. Er leitete das Haus durch die schweren Jahre der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs. In einer Phase, in der viele Betriebe aufgeben mussten, blieb die Hirsch-Apotheke bestehen – wenn auch unter schwierigen Bedingungen, mit Engpässen und strengen gesetzlichen Vorgaben.

Nach dem Krieg standen schließlich wieder bauliche Verbesserungen im Vordergrund. 1953 wurde eine neue Außentreppe errichtet, und 1956 folgte ein entscheidender Schritt: Die Apothekenräume wurden vom ersten Stock ins Erdgeschoss verlegt und erweitert. Bis dahin mussten die Kunden eine Treppe hinaufsteigen – ein Umstand, der gerade für ältere Menschen und Familien mit Kindern beschwerlich war. Heute befindet sich die Offizin (Verkaufsraum) im früheren Kellerbereich des Gebäudes.

1970 kehrte die Apotheke in Familienhand zurück: Elfriede Pauli, die Enkelin von Emmy Haag, wurde neue Inhaberin der Hirsch-Apotheke. Mit ihr begann eine Phase der behutsamen, aber konsequenten Modernisierung. Sie erneuerte Einrichtung und Arbeitsabläufe, passte den Betrieb an die wachsende Zahl von Arzneimitteln und an neue gesetzliche Anforderungen an und führte die Apotheke Schritt für Schritt in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Unter ihrer Leitung erlebte die Hirsch-Apotheke auch ein besonderes Datum: 1987 konnte sie auf 100 Jahre unter dem Namen „Hirsch-Apotheke“ zurückblicken – ein Jubiläum, das eng mit der Familie Haag/Fetz verbunden ist. Elfriede Pauli stand in dieser Tradition und hielt zugleich den Blick nach vorn gerichtet.

Über 30 Jahre lang prägte sie das Gesicht der Apotheke, bevor sie den Betrieb im Jahr 2001 an Hiltrud Eifler übergab. Bis heute lebt sie in Birkenfeld und ist vielen Menschen als frühere Inhaberin der Hirsch-Apotheke in guter Erinnerung.

2001 übernahm Hiltrud Eifler die Hirsch-Apotheke. Ihre Zeit als Inhaberin war geprägt von einem deutlichen Schritt in die Moderne. Unter ihr zog die Digitalisierung in den Apothekenalltag ein: Ein Apothekenroboter übernahm einen Großteil der Lagerung und Ausgabe der Medikamente, die bisherigen Schubladensysteme wurden nach und nach ersetzt. Gleichzeitig ließ sie den Verkaufsraum neu gestalten, schuf klare Strukturen für Beratung und Sichtwahl und modernisierte Labor und Rezeptur.

So schlug sie die Brücke zwischen der traditionellen Hirsch-Apotheke und einer zeitgemäßen, technisch gut ausgestatteten Apotheke. Ende 2017 übergab sie den Betrieb an ihren Nachfolger Achim Nauert.


Von der Tradition zur Moderne – Die Hirsch-Apotheke heute

Seit dem 2. Januar 2018 steht die Hirsch-Apotheke unter der Leitung von Achim Nauert, einem gebürtigen Birkenfelder und Sohn des ehemaligen Stadtbürgermeisters Peter Nauert. Mit ihm begann ein neues Kapitel, das Tradition und Moderne auf besondere Weise verbindet. Nauert setzte auf eine behutsame, aber konsequente Weiterentwicklung des Hauses: Er erneuerte die Inneneinrichtung, erweiterte den Verkaufs- und Beratungsbereich und schuf insgesamt fünf moderne Beratungsplätze, die eine persönliche und diskrete Betreuung ermöglichen.

Ein zentrales Anliegen ist ihm der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Unter seiner Führung wurde der ökologische Fußabdruck der Apotheke deutlich reduziert, sei es durch optimierte Bestell- und Kühlsysteme, energiesparende Technik oder nachhaltige Verpackungslösungen.

Mit einem Team von inzwischen rund zwei Dutzend Mitarbeitern bietet die Hirsch-Apotheke heute neben der klassischen Arzneimittelversorgung auch digitale Services, eine Apotheken-App und einen Hauslieferdienst an. Gemeinsam mit seiner Frau Anna Katharina und den gemeinsamen Kindern führt Achim Nauert das Haus mit viel Engagement weiter – fest verwurzelt in der langen Geschichte der Apotheke und zugleich offen für die Anforderungen der Zukunft.

Heute beschäftigt die Hirsch-Apotheke 24 Mitarbeiter und bietet neben dem klassischen Arzneimittelverkauf auch digitale Services, eine Apotheken-App und einen Hauslieferdienst.

Ein besonderes Wahrzeichen bleibt die 300-jährige Geschichte des Hauses, die noch heute in den alten Dokumenten und Geschichten rund um die Apotheke lebendig ist.


300 Jahre Hirsch-Apotheke – Das große Jubiläum 2025

Im Jahr 2025 feiert die Hirsch-Apotheke ihr 300-jähriges Bestehen – ein Ereignis, das in der Stadt mit besonderen Feierlichkeiten begangen wird. Geplant sind unter anderem:

  • Eine historische Ausstellung mit alten Dokumenten und Apothekengegenständen
  • Ein Jubiläumsfest mit Stadtvertretern und Gästen
  • Eine Festschrift zur Apothekengeschichte

Fazit: Eine Apotheke mit einzigartiger Geschichte

Drei Jahrhunderte, zahlreiche Besitzerwechsel, Kriegszeiten und gesellschaftlicher Wandel – und doch besteht die Hirsch-Apotheke bis heute. Sie ist mehr als nur ein Apothekenbetrieb: Sie ist ein Stück lebendige Stadtgeschichte.

Und für mich, Wolfgang Herfurth, hat sie noch eine ganz besondere Bedeutung – denn meine eigene Familiengeschichte ist mit ihr verwoben.

Die Hirsch-Apotheke bleibt ein Symbol für Beständigkeit, medizinische Versorgung und regionalen Zusammenhalt. Und während sie 2025 ihr großes Jubiläum feiert, wird eines klar: Ihre Geschichte ist noch lange nicht zu Ende!


Ergänzung: Der Festakt zum 300-jährigen Jubiläum der Hirschapotheke (2025)

Am Samstag 06.12.2025, dem Tag des offiziellen Jubiläums, erhielt die Hirschapotheke ein neues, lebendiges Kapitel. Was Achim Nauert für diesen Abend geschaffen hat, war weit mehr als eine Festveranstaltung. Es war ein Fest der Menschen, die dieses Haus über Generationen geprägt und getragen haben – und ein eindrucksvoller Beweis dafür, was entsteht, wenn persönliches Engagement, Tradition und herzliche Verbundenheit zusammenkommen. Dass dieses Jubiläum trotz leerer öffentlicher Kassen in dieser würdigen Form stattfinden konnte, lag an Nauerts eigenem Einsatz und an der großen Unterstützung durch Freunde, Bekannte und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. Ohne diesen Kreis wäre ein solches Fest nicht möglich gewesen.

Die Stadthalle war mit rund zweihundert Gästen gefüllt. Die Stimmung war warm, offen und von einer bemerkenswerten Leichtigkeit getragen. Unter den Anwesenden befanden sich Landrat Miroslav Kowalski, Verbandsbürgermeister Matthias König sowie – in Vertretung des verhinderten Stadtbürgermeisters – der Sohn des Landrats, der im Stadtrat sitzt. Auch die Familie Nauert war vollständig vertreten, darunter der ehemalige Stadtbürgermeister Nauert, der Vater des heutigen Inhabers.

Besonders würdig und berührend war die Anwesenheit zweier Frauen, die die jüngere Geschichte der Hirschapotheke entscheidend geprägt haben:
Elfriede Pauli, die die Apotheke von 1970 bis 2001 leitete und aus der traditionsreichen Apothekerfamilie Haag stammt, sowie Hiltrud Eifler, die das Haus von 2001 bis 2018 führte. Beide wirkten im Jubiläumsfilm mit – ein Detail, das dem Werk eine besondere Tiefe verlieh. Ihre kurzen Interviews, ihre Erinnerungen und ihre Art zu erzählen verbanden Historie und Menschlichkeit auf eine Weise, die viele Gäste bewegte.

Vor allem Elfriede Pauli beeindruckte mit einer Spontanität und Lebendigkeit, die man in diesem hohen Alter nicht oft in solcher Form erlebt. Sie sprach mit feinem Humor, mit klarer Erinnerung und mit einer Wärme, die den Saal erfüllte. Es war dieses herzliche Lachen, das entsteht, wenn jemand etwas aus seinem Leben erzählt und dabei mit ganzem Wesen präsent ist. Ihre Mitwirkung – ebenso wie die von Hiltrud Eifler – wertete den gesamten Film noch einmal auf und machte deutlich, wie eng Vergangenheit und Gegenwart dieses traditionsreichen Hauses miteinander verwoben sind.

Der Film selbst – zwei Teile zu je etwa zehn Minuten – war einer der Höhepunkte des Abends: liebevoll inszenierte Szenen aus verschiedenen Jahrhunderten, in denen Achim Nauert selbst in mehreren historischen Rollen auftrat. Zusammen mit den Beiträgen der beiden früheren Besitzerinnen entstand so ein kleines Werk, das weit über den Abend hinaus Bedeutung behalten wird. Wenn man später das 400- oder 500-jährige Jubiläum feiert, wird dieses Filmchen ein besonderes Zeugnis sein: Wie die Menschen 2025 feierten, wie sie dachten, wie sie sich erinnerten.

Der gesamte Abend war bis ins Detail stimmig. Ein festliches Buffet, das an die Tische gebracht wurde, ausgesuchte Weine, lange Gespräche, herzliche Begegnungen. Für viele Gäste war es ein außergewöhnlicher Abend – und für meine Frau und mich einer jener Momente, die im Gedächtnis bleiben.

So wurde das 300-jährige Jubiläum der Hirschapotheke nicht nur gefeiert, sondern tatsächlich gelebt: als gemeinsames Werk vieler Menschen, in Respekt vor der Geschichte und getragen von echter Verbundenheit. Ein Abend, der der Bedeutung dieses Hauses mehr als gerecht wurde – und selbst ein Teil seiner Geschichte geworden ist.

Anna Nauert – die leise, aber tragende Säule

Bei aller Geschichte, allen Namen und Daten darf eine Person nicht unerwähnt bleiben: Anna Nauert, die Ehefrau des heutigen Inhabers. In der Festschrift dankt Achim Nauert ihr ausdrücklich für die „wertvolle inhaltliche Ausgestaltung“ der Broschüre, für ihre Geduld, ihre beständige moralische Unterstützung und ihre Hilfe bei Planung und Organisation der Jubiläumsfeier.

Was dort in wenigen Sätzen steht, beschreibt in Wahrheit eine tragende Säule dieses ganzen Jubiläums. Ohne ihre Mitarbeit im Hintergrund, ohne die vielen unsichtbaren Stunden am Schreibtisch, in Gesprächen, in der Abstimmung von Terminen und Inhalten wäre vieles in dieser Form nicht möglich gewesen.

Es passt zur Geschichte der Hirsch-Apotheke, dass auch hier wieder eine Frau im Stillen entscheidend mitwirkt – so wie schon früher Emmy Haag, Emmy Fetz-Haag oder Elfriede Pauli. Die Namen wechseln, die Zeiten ändern sich, aber eines bleibt: Hinter einer guten Apotheke stehen nicht nur Inhaber und Fachpersonal, sondern auch Menschen, die im Hintergrund tragen, ordnen, ermutigen. Anna Nauert gehört ganz zweifellos dazu.



Die Geschichte der Hirsch-Apotheke ist über drei Jahrhunderte hinweg gewachsen – und ebenso vielfältig sind die Quellen, auf denen dieser Beitrag basiert. Da schriftliche Dokumente, mündliche Überlieferungen und privates Archivmaterial sich gegenseitig ergänzen, stützt sich dieser Text auf eine Kombination aus gesicherten historischen Daten, familiären Überlieferungen, zeitgenössischen Berichten und eigener Forschungsarbeit. Viele Details gehen auf die Festschrift zum 300-jährigen Jubiläum zurück, andere wurden durch Gespräche mit Zeitzeugen, Recherchen im Internet und durch private Sammlungen bestätigt.

Gerade diese Mischung aus dokumentierter Geschichte und lebendigen Erinnerungen macht die Darstellung nicht nur historisch fundiert, sondern auch persönlich – denn die Hirsch-Apotheke ist nicht nur ein Stück Stadtgeschichte, sondern auch ein Teil der Lebensgeschichte zahlreicher Familien in Birkenfeld.

Quellen & Literatur

1. Schriftliche Quellen und Fachliteratur

  • Festschrift „300 Jahre Hirsch-Apotheke Birkenfeld“, herausgegeben 2025 von Apotheker Achim Nauert (inkl. redaktioneller Beiträge und historischer Recherchen).
  • Karlheinz GrĂĽnewald: Geschichte der Stadt Birkenfeld.
  • Landesarchiv Rheinland-Pfalz, Bestände zur regionalen Apothekengeschichte (diverse Jahrgänge).
  • Veröffentlichungen zur Apothekengeschichte in Rheinland-Pfalz (u. a. pharmazeutische Fachzeitschriften und regionale Geschichtswerke).
  • Historische Presseberichte (Rhein-Zeitung / Nahe-Zeitung), ausgewählte Jahrgänge.

2. Online-Recherchen

  • Wikipedia-Artikel zu Personen, Orten und Themen der Birkenfelder Regionalgeschichte (mit Abgleich weiterer Quellen).
  • Historische Online-Datenbanken und Apothekenregister (öffentliche Verzeichnisse und Archivmaterial).
  • Regionale Webarchive zur Stadt- und Apothekengeschichte.

3. Zeitzeugen, mündliche Überlieferungen & persönliche Berichte

  • Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern und Angehörigen frĂĽherer Apothekeninhaber.
  • Zeitzeugenberichte aus der Birkenfelder Bevölkerung und Hinweise aus der Facebook-Gruppe „Alte und neue Ansichten der VG Birkenfeld“.
  • Informationen und Erzählungen aus dem familiären Umfeld der Familien Gleimann, Haag, Fetz, Pauli und Nauert.

4. Eigene Recherchen & Bildmaterial

  • Eigene Recherchen des Autors (Wolfgang Herfurth) zu genealogischen und regionalhistorischen Zusammenhängen.
  • Dokumente und private Fotos aus Familienarchiven Herfurth / Gleimann.
  • Historische Bildquellen aus privaten Sammlungen der VG Birkenfeld sowie aus der Facebook-Gruppe „Alte und neue Ansichten der VG Birkenfeld“.
  • Ergänzende Bildquellen: Festschrift 2025, historische Apothekenobjekte und Archivmaterial der Hirsch-Apotheke.

Wolfgang Herfurth


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